Peter Dohmen (WHKT)
Michael Neuhaus (3. v. r.) besuchte zusammen mit Vertretern weiterer Handwerkskammern und des WHKT die JVA Geldern.

Handwerk im HafthausDas Handwerk als Einstieg zur Wiedereingliederung

Michael Neuhaus, Vizepräsident der Handwerkskammer Südwestfalen, hat zusammen mit Vertretern anderer Kammern und des Westdeutschen Handwerkskammertags die JVA Geldern und ihre Werkstätten besucht.

Rund 14.000 Menschen sind derzeit in einer der 36 Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen inhaftiert. Davon sind etwa 500 in der JVA Geldern untergebracht, die auf die berufliche Qualifizierung von männlichen erwachsenen Straftätern spezialisiert ist. Im Rahmen der Initiative "Handwerk im Hafthaus" hatten Vertreter der NRW-Handwerkskammern und des Westdeutschen Handwerkskammertages nun Gelegenheit, diese Justizvollzugsanstalt zu besuchen.

Besuch in einer besonderen JVA

Mit dabei war unter anderem Michael Neuhaus, Vizepräsident der Handwerkskammer Südwestfalen:  "Ich kenne einige Betriebe in unserem Kammerbezirk, die offen dafür wären, jemanden zu beschäftigen, der in seinem Lebenslauf einen schweren Fehltritt aufzuweisen hat. Fehler passieren uns allen. Am Ende zählt, was man draus lernt, was man draus macht und wie man versucht, es wieder gut zu machen. Der Justizvollzug bietet den Inhaftierten mit beruflicher Qualifizierung und ergänzenden Maßnahmen eine umfassende Unterstützung, um sich auf die Zeit nach der Haft vorzubereiten. Deshalb gehe ich mit einer positiven Haltung in die JVA Geldern und hoffe sehr, hier auf Menschen zu treffen, die ihre zweite Chance wirklich nutzen wollen." 

WHKT-Vizepräsident Alexander Hengst ergänzt. "Das nordrhein-westfälische Handwerk unterstützt den Vollzug und dessen Übergangsmanagement gern dabei, wenn es darum geht, Anschlussperspektiven am Arbeitsmarkt für gut qualifizierte Menschen zu identifizieren."

Über 200 Ausbildungsplätze

Dass die Voraussetzungen für eine solide berufliche Qualifizierung in der JVA Geldern gegeben sind, zeigt sich beim Rundgang durch einige der Werkstätten der Anstalt. Eine Sammlung computergesteuerter CNC-Fräsen und Drehbänke begrüßt die Besuchsgruppe in der Metall-Werkstatt, auf deren Wand in großen roten Lettern "Zerspanungsmechaniker" prangt. Ein voll funktionstüchtiger Mini-Tischkicker aus Metall und weitere Ausstellungsstücke zeugen vom handwerklichen Geschick, mit dem die Inhaftierten diese Übungsstücke hergestellt haben. Nicht weniger präzise und kreativ sind die Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände aus Holz, wie etwa Sonnenliegen, Brotkästen und Nachttische, gestaltet, die den Zugang zur Tischlerwerkstatt säumen.

"Unsere Anstalt bietet auf 71.000 Quadratmetern bis zu 236 Ausbildungsplätze in 18 verschiedenen Berufen, die meisten davon mit Bezug zum Handwerk", erläutert die Anstaltsleiterin Diana Schloderer das Konzept der Anstalt. "Daneben kooperieren wir mit sechs Betrieben aus der Region, für die unsere Gefangenen Produkte herstellen, die strenge Qualitätskriterien erfüllen müssen. Dass unser Ansatz Früchte trägt, zeigt auch die Tatsache, dass unser Übergangsmanagement in den letzten zwei Jahren etwa 15 ehemalige Gefangene unserer Anstalt erfolgreich in ein Beschäftigungsverhältnis vermitteln konnte."

Positive Eindrücke aus den Werkstätten

Auch die bunten, kreativen Gestaltungsarbeiten in der Werkstatt der Maler und Lackierer fallen direkt ins Auge. In der gemeinsamen Werkhalle für die Maurer und für die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger  perfektionieren etwa 15 Inhaftierte ihre Fähigkeiten beim Mauern mit Kalksandstein oder bei der Gestaltung eines Übungs-Badezimmers mit Keramikfliesen. "Gefangene aus Anstalten in ganz Nordrhein-Westfalen können unter bestimmten Voraussetzungen ihre Verlegung in die JVA Geldern beantragen, um hier gezielt einen Beruf zu erlernen und sich somit optimal auf die Entlassung vorzubereiten“, erklärt Ulrich Karp, Leiter des Referats Arbeit und Bildung im Justizministerium.

Mit der Besichtigung der Maurer-Halle endet der Besuch der JVA Geldern. Doch vielfältige positive Eindrücke bleiben, beschreibt Michael Neuhaus: "Als Installateur habe ich täglich mit Handwerkerinnen und Handwerkern aus verschiedenen Gewerken zu tun und kann die Qualität ihrer Arbeit ganz gut einschätzen. Das, was ich heute in der JVA in den Werkstätten gesehen habe, zeigt mir, dass die Männer, die hier inhaftiert sind, fähige Handwerker sind. Fast noch wichtiger war die ruhige und freundliche Atmosphäre in den Werkstätten, wo Gefangene konzentriert gearbeitet haben. Wenn diese Menschen aus der JVA Geldern in unseren Kammerbezirk entlassen werden und sich an die Handwerkskammer Südwestfalen wenden, werden wir sie gern bei ihrer Suche nach einem geeigneten Betrieb unterstützen."

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